Michael Wendenburg Online Redaktion

Datenkrake oder Umbau der PLM-Architekturen?

Das Internet of Things (IoT) erfordert einen Umbau der bestehenden PLM-Architekturen, schreibt Oleg Shilovitsky in einem seiner jüngsten Blog-Beiträge auf BeyondPLM unter Bezugnahme auf einen ZDNet-Beitrag. Obwohl ich diese Notwendigkeit ebenfalls sehe und schon in einem früheren Blog-Beitrag über Future PLM kommentiert habe, halte ich eine Präzisierung für erforderlich: Es ist nicht so sehr das IoT selbst, das nach modularen und flexibler anpassbaren PLM-Architekturen ruft, sondern die neuen Anforderungen bei der Entwicklung smart vernetzter Produkte und Produktionssysteme.

Datenkrake

Wie Oleg ganz richtig sagt, ist das Problem nicht die Erfassung der Daten, sondern ihre Umwandlung in nutzbare Informationen: Collecting information is simple. Sensors and storage will do a job, but what will come next? Manufacturing companies will be looking for a context that can be used to connect IoT data and to transform it into actionable information. All those part numbers, design changes, ECOs, bill of materials, maintenance plans… The information stored today in product development usually in multiple systems will be used as a context to aggregate IoT data.

Ich würde jedoch noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass die Verknüpfung von IoT- und PLM-Daten für die meisten Unternehmen derzeit noch kein Thema ist oder zumindest nicht oberste Priorität hat. Sie haben weder die IoT-Plattformen im Einsatz, auf denen die Daten aus dem Feld zusammenlaufen und aufbereitet werden können, noch die entsprechenden Geschäftsprozesse und -modelle aufgesetzt, um Mehrwert aus diesen Daten zu ziehen. Ihre eigentliche Herausforderung besteht erst einmal darin, ihre bestehenden PLM-Datensilos und die in ihnen schlummernden Informationen intelligent zu verknüpfen, um eine wirklich interdisziplinäre Produktentwicklung zu ermöglichen. Das ist m.E. der triftigere Grund für die Notwendigkeit, über neue Architekturen und/oder neue Formen der Daten-Verlinkung nachzudenken.

Unabhängig von dem Tsunami an IoT-Daten, der mit der wachsenden Zahl smart vernetzter Produkte über uns hereinbrechen wird, kämpfen die Unternehmen schon bei der Entwicklung dieser IoT-fähigen Geräte mit einer anschwellenden Datenflut. Neben den mechanischen CAD-Daten und vielleicht noch ein paar Elektrik-Komponenten, die üblicherweise im PLM-System verwaltet werden, müssen Informationen über Anforderungen, Funktionen, Verhalten, Logik, Simulation, digitale Fertigung etc. erfasst und miteinander verknüpft werden, um Kernprozesse wie Änderungs- oder Konfigurationsmanagement zu unterstützen. Diese Informationen verteilen sich heute über eine Vielzahl von IT-Anwendungen, die kaum miteinander integriert sind.

Es ist eine Illusion zu glauben, all diese Informationen in einem einzigen PLM-System zusammenführen zu können, und eine noch größere, die verschiedenen IT-Systemen über traditionelle Schnittstellen miteinander verbinden zu können. Das hat schon in der Vergangenheit nicht richtig funktioniert bzw. war mit einem immensen Aufwand für die Pflege der Integrationen verbunden, und wird trotz alle Bekenntnisse zu Offenheit und Standards auch in Zukunft nicht funktionierten. Mir gefällt deshalb das Bild von der Datenkrake, das Prof. Martin Eigner von der TU Kaiserslautern neulich in einem Interview verwendet hat, auch wenn der Begriff nicht unbedingt positiv besetzt ist: Die Harmonisierung der bestehenden IT-Landschaften ist schwierig bis unmöglich. Durch eine leichte, auf REST-, RDF- und OSLC-Technologie basierende Verlinkung habe ich die Möglichkeit, Dutzende, im Prinzip Hunderte von verschiedenen Systemen von oben zu verbinden. Ich setze mich wie eine Krake einfach auf die existierende Welt drauf.

Der Vorteil dieser Datenkrake ist, dass sie auch für die Verlinkung von PLM- und IoT-Daten genutzt werden kann, wenn die Unternehmen dann mal soweit sind. Dazu müssen die IoT-Daten nicht zwingend auf ein- und derselben Plattform liegen. Denn wie sagte Ulrich Ahle, CEO der FIWARE Foundation so treffend in einem Interview, das im nächsten PROSTEP-Newsletter erscheinen wird: Die Daten entfalten ihren Nutzen nicht notwendigerweise im Umfeld ihrer Entstehung, sondern vielleicht in einem ganz anderen Umfeld. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die PLM-Daten vielleicht mit IoT-Daten verknüpft werden müssen, die aus einem ganz anderen Kontext stammen, um neue Servicemodelle zu unterstützen. Das setzt einen Datenaustausch-Standard voraus, wie ihn die FIWARE-Community entwickelt hat, um unterschiedliche IoT-Plattformen miteinander verbinden zu können.

Was mir noch nicht so ganz klar ist, ist in wieweit die bestehenden IT-Landschaften umgebaut werden müssen, damit diese Daten-Verlinkung funktioniert. Oder ob sie die Unternehmen in die Lage versetzt, erst mal mit den bestehenden Lösungen weiter zu arbeiten und ihre monolithischen Flugzeugträger nach und nach durch eine Flotte agiler Fregatten zu ergänzen und am Ende vielleicht ganz zu ersetzen. Ich kann mir beispielsweise vorstellen, dass bestimmte PLM-Funktionen, z.B. für das Projekt-Management, schrittweise in die Cloud wandern, weil sie dort viel einfacher zu warten sind und auch viel einfacher unternehmensübergreifend genutzt werden können.

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