Michael Wendenburg Online Redaktion

CONTACT Open World 2019: Zwei Tage Inspiration

Digitalisierung ist ein Dauerthema. Wie schon das letzte Treffen der CONTACT Community vor zwei Jahren stand auch die diesjährige Open World wieder ganz im Zeichen der digitalen Transformation. Der PLM- und IoT-Hersteller unterstrich seine Innovationskraft mit einer Fülle von Neuheiten und Erweiterungen rund um seine CONTACT Elements Plattform. Damit sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt, um seine Kunden bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse und -modelle zu unterstützen. Digital Transformation. Yes Wie Can! lautete die Botschaft.

CONTACT_OpenWorld

Mit rund 350 Teilnehmern war die Open World 2019, die in diesem Jahr in der Nähe von München stattfand, noch besser besucht als das letzte Anwendertreffen. Ein Besucherzuwachs von immerhin 40 Prozent, der die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens widerspiegelt. CONTACT hat allein im letzten Jahr seinen Auftragseingang um mehr als 35 Prozent gesteigert und einen Umsatz von knapp 30 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Rohergebnis des Unternehmens stieg laut Unternehmensbericht um 20 Prozent auf 25,39 Millionen Euro.

Unter den Besuchern waren zahlreiche ausländische Gäste, vor allem Vertreter von Partnern aus Asien und Amerika, wo das Unternehmen seine Präsenz ausbaut. Das globale Ökosystem sei in den letzten Jahren stark gewachsen und umfasse derzeit etwa 60 Partner, sagte Michael Murgai, der für die internationale Entwicklung und das Partner-Management verantwortlich ist. Und es soll weiter wachsen. „Wir wollen künftig gerade bei der globalen Expansion noch stärker mit Partnern zusammenarbeiten, die Leistungen rund um unsere Produkte erbringen“, betonte Geschäftsführer Karl-Heinz Zachries zur Eröffnung der Veranstaltung.

Zachries entschuldigte sich bei den Kunden, dass man sie aufgrund des rasanten Wachstums in den letzten Jahren nicht immer so habe unterstützen können wie sie das gewohnt seien, und versprach Abhilfe. Eine der Maßnahme ist das neue Kunden- und Partnerportal ALOHA, mit dem CONTACT den Dialog mit Kunden und Partnern intensivieren und die Zusammenarbeit verbessern will. Es soll Ende des Jahres online gehen, wie Stefan Gregorzik sagte, der bei CONTACT für die Strategie- und Organisationsentwicklung zuständig ist. Neben der Bereitstellung von Produktinformationen, Online-Tutorials, Software-Downloads und Foren für den Erfahrungsaustausch bietet ALOHA die Möglichkeit, Hotline-Tickets anzulegen und nachzuverfolgen. Außerdem stellt es den Nutzern Funktionen für das Projektmanagement zur Verfügung, mit denen sie gemeinsame Projekte besser steuern können.

In seiner Keynote zeigte Zachries die Herausforderungen der Digitalisierung auf und machte den Teilnehmern Mut, sie als Chance zu begreifen. Mit Produkten als Wurfanker seien sie für die Digitalisierung gut aufgestellt. Nicht jedes Unternehmen müsse gleich zu einem Software-Unternehmen werden. In diesem Zusammenhang verwies er auf die vom Fraunhofer IPK zusammen mit CONTACT und VDI erstellte Studie Smart Industrial Products, die den hohen Stellenwert smarter Produkte und darauf aufbauender Dienstleitungen für die deutsche Industrie belegt.

Die Digitalisierung sei eigentlich nicht bahnbrechend neu, meinte Zachries. Das eigentlich Neue sei die autonome Steuerung der Prozesse, und hier hätten die Unternehmen noch viele Hausaufgaben zu erledigen. Einer der CONTACT-Kunden, der sie schon gemacht hat, ist der Hersteller von industrieller Verbindungstechnik Weidmüller. Auf Basis der PLM-Lösung CIM Database hat er den Angebotsprozess soweit automatisiert, dass die Kunden bestimmte Produkte online konfigurieren können und auf Knopfdruck ein Angebot bekommen. Wenn der Kunde bestellt, könnten wir theoretisch gleich fertigen, sagte Dr. Martin Dräxler, PLM-Projektleiter bei Weidmüller.

Zachries

Zukunftsfähige digitale Plattform
Zachries versprach zwei Tage Inspiration, und er versprach nicht zu viel. Neben Produktpräsentationen bot die Agenda eine Reihe von interessanten Kundenvorträge, eine Podiumsdiskussion über die Chancen der digitalen Transformation und einen inspirierenden Vortrag von David Gram von LEGO Ventures & Diplomatic Rebels über die Art wie LEGO sich selbst und die Zukunft des Spielens nach dem Beinahe-Bankrott neu erfunden hat. Nicht unbedingt ein Beispiel für die digitale Transformation, wohl aber für eine Transformation des Innovationsprozesses durch Intrapreneurship, d.h. die Schaffung eine Start-Up-Kultur in der Organisation, und die Einbindung von kreativen Ideen aus der LEGO-Fangemeinde. Wen der Ansatz interessiert, findet mehr dazu in diesem Video.

Die Teilnehmer des Podiums waren sich weitgehend einig, dass die größte Herausforderung bei der digitalen Transformation der kulturelle Wandel der Organisation sei, ohne konkret zu sagen, wie sich dieser Wandel denn gestalten lässt. Er fordert laut Gram Geduld und die Bereitschaft, neue Dinge einfach mal auszuprobieren. Viele Unternehmen seien schon sehr digital, aber noch längst nicht transformiert, sagte Frank Patz-Brockmann, Entwicklungsleiter von CONTACT. Sie hätten nicht verstanden, dass die digitale Transformation kein Projekt sei, sondern eine Reise, meinte Peter Bilello, CEO der amerikanischen Marktforschungsfirma CIMdata. Unbestreitbar ist die Digitalisierung eine wichtige Voraussetzung für die digitale Transformation, und dafür braucht man laut Bilello eine offene und skalierbare digitale Plattform. Kein PLM-Hersteller könne alles für jeden bereitstellen.

Bilello bescheinigte dem Unternehmen in seiner Keynote, dass CONTACT Elements ein exzellentes Beispiel für eine moderne und zukunftsfähige Product Innovation Platform sei. Das könnten nicht alle PLM-Lösungen für sich in Anspruch nehmen. Die Plattform ist vollständig web-fähig, auch wenn einige Anwendungen derzeit noch im Windows-Client laufen, und wird ab Release 16 auch von der Infrastruktur her Cloud ready sein, wie Patz-Brockmann sagte. Das Internet wird zur Blaupause für Unternehmensanwendungen. Das bedeutet, dass Unternehmensnetze und Anwendungs-Stacks zu privaten Clouds werden, die auf Basis von REST APIs und Standards wie OpenID oder OSLC fröhlich mit öffentlichen Clouds interagieren.

Erste Kunden im IoT-Umfeld
Elements ist eine hochgradig modulare Plattform. Sie stellt die grundlegenden Services und eine wachsende Zahl von Technologie-Bausteinen bereit, aus denen sich sowohl die PLM-Lösung CIM Database, als auch die IoT-Plattform Elements for IoT, die Projektmanagement-Lösung Project Office und die Multi-CAD-Datenmanagement-Plattform Workspaces bedienen. CONTACT hat in den letzten Jahren leistungsfähige Bausteine für die Anbindung von Geräten und Funktionen für die Datenauswertung in die IoT-Plattform integriert, so dass sie heute den gesamten Produktlebenszyklus von der Entwicklung smarter Produkte bis zu ihrem Betrieb unterstützt. Ziel ist es, die Betriebsdaten im Sinne des Closed Loop Engineerings für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Produkte nutzen zu können. Bei der Entwicklung konkreter Kundenlösungen im IoT-Umfeld arbeitet CONTACT u.a. eng mit der Robert Bosch Engineering und Business Solutions zusammen, die in Indien das größte Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands unterhält.

Die Investition in die Weiterentwicklung der Elements-Plattform in Richtung IoT zahlt sich für CONTACT allmählich aus. Einer der ersten Kunden, der Elements for IoT produktiv nutzt, ist der Maschinenbauer MIXACO, der Produkte der industriellen Mischtechnik für Branchen wie die kunststoffverarbeitende, die chemische oder die Lebensmittelindustrie herstellt. Das Unternehmen hat seine Industrie-Mischer an die IoT-Plattform von CONTACT angebunden, um ihren Zustand zu überwachen und ihre Performance zu optimieren, wie Geschäftsführer Matthias Tölle den Teilnehmern erläuterte.

Bilello

Interessant auch der Vortrag von Harald Kurz, IT-Leiter R&D bei Filterhersteller Mann + Hummel, der zusammen mit CONTACT die Funktionen für das agile bzw. hybride Projektmanagement entwickelt hat. Die agilen Task Boards zählen zu den wesentlichen Neuerungen in Project Office. Sie bieten die Möglichkeit, bestimmte Aufgaben oder Teilprojekte nach agilen Methoden abzuwickeln, während das übergreifende Entwicklungsvorhaben klassisch über Rahmenplanung mit Meilensteinen gesteuert wird. Mann + Hummel verspricht sich von dem hybriden Ansatz eine Beschleunigung der Entscheidungsprozesse und mehr Transparenz in der eigentlichen Projektarbeit.

Integration der Arbeitsplanung in PLM
Signifikante verbessert hat sich die PLM-Lösung CIM Database, wie PLM-Produktmanager Dr. Patrick Müller bei der Vorstellung der Highlights sagte. Das betrifft die neue ALM Bridge, die eine engere Verzahnung von Softwareentwicklung und Variantenmanagement des digitalen Produkts ermöglicht, die erweiterte EAI-Integration, mit der ERP-Daten den IoT-Anwendungen bereitgestellt werden können, und die bessere Unterstützung der Qualitätssicherung durch Erweiterung der universellen Klassifikation um Compliance-relevante Themen. Besonders interessant fand ich das umfassende Konzept für die Integration der Arbeitsplanung, das Müller vorstellte. Es sieht nicht nur die Verknüpfung von Arbeitsplänen und Ressourcen mit den Konstruktionsdaten und Stücklisten im PLM vor, sondern auch die REST-basierte Integration von externen MES-Systemen und den Brückenschlag zu Elements for IoT, um die Arbeitspläne mit den realen Betriebsdaten des Manufacturing Twin abgleichen zu können.

Wenn ich die Pläne von CONTACT richtig interpretiere, dann will das Unternehmen mit seiner Elements-Plattform künftig auch die Digitalisierung der Fertigung stärker unterstützen. Eine naheliegender Schritt, den andere PLM-Hersteller zusammen mit namhaften Herstellern von Automatisierungstechnik gehen. (siehe mein Blogbeitrag zur Kooperation von Dassault Systèmes und ABB) CONTACT hat sich bislang noch nicht auf einen strategischen Partnern festlegt, sondern arbeitet mit verschiedenen Unternehmen zusammen. Mal sehen, welche Strategie eher zum Erfolg führt.

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