Michael Wendenburg Online Redaktion

Aras: Finanzspritze von 40 Millionen US-Dollar

Während deutsche PLM-Software-Hersteller mehr oder weniger erfolgreich versuchen (müssen), aus eigener Kraft bzw. kraft Partnern zu wachsen, finanzieren amerikanische Mitbewerber ihr Wachstum einfacher durch Venture Capital und wachsen schneller. Die Aras Corp. hat vor ein paar Tagen mitgeteilt, dass das Unternehmen gegen eine Minderheitsbeteiligung von Silver Lake Kraftwerk und GE Ventures 40 Millionen US-Dollar eingesammelt hat, die in das weitere Wachstum gesteckt werden sollen. Das Unternehmen wächst eigenen Angaben zufolge seit drei Jahren im Schnitt um 60 Prozent pro Jahr und beschäftigt inzwischen weltweit 280 Mitarbeiter.
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Finanzspritze

Hauptgeldgeber der aktuellen Investitionsrunde ist Silver Lake Kraftwerk, ein Fonds der führenden Technologie-Investmentfirma Silver Lake. Ebenfalls beteiligt ist GE Ventures, die Investment-Sparte von General Electric. Das ist ungefähr so als würde Siemens in einen PLM-Anbieter investieren, der nicht Siemens PLM Software heißt. Ganz interessant finde ich die Gründe, die Steve Taub, Managing Director Advanced Manufacturing & Enterprise bei GE Ventures für die Investition anführt:

Um die nächste ‚Welle’ in Sachen globaler industrieller Produktivität zu fördern, investiert GE in grundlegendes Know-how für das Industrial Internet. Die PLM-Plattform von Aras bietet Anwendern die Produktkonfigurierung mittels des digitalen Zwillings und Nachverfolgbarkeit für den Digital Thread im gesamten Lebenszyklus – beides immens wichtig, um Produkt- und Fabrikdaten zu analysieren und zu interpretieren.

Aras will die Finanzspritze nutzen, um das operatives Geschäft einschließlich Support und Kundenservice auszubauen und um seine Technologieführerschaft durch Forschung und Entwicklung sowie Akquisitionen weiter zu festigen. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren zu einem ernst zu nehmenden Herausforderer der weltweit führenden PLM-Hersteller entwickelt und versucht vor allem, Siemens PLM Software Kunden abspenstig zu machen. Darüber habe ich vor ein paar Monaten in einem Blog-Beitrag berichtet. Das Unternehmen werde inzwischen als gleichwertiges Mitglied im Club der führenden PLM-Anbieter betrachtet, postete Verdi Ogwell erst vor ein paar Wochen in einem Blog-Beitrag auf Engineering.com.

Ob die beeindruckenden Wachstumsraten von Aras stimmen, ist allerdings schwer zu überprüfen, da das 2000 von Peter Schroer gegründete Unternehmen offiziell keine Umsatzzahlen veröffentlicht. Nach Informationen amerikanischer Marktbeobachter erwähnte Schroer aber auf der amerikanischen Anwenderkonferenz ACE im März dieses Jahres eine Zahl von 58 Millionen US-Dollar für 2016 und gab einen Forecast von 90 Millionen für das laufende Jahr Das würde mehr als dem Dreifachen dessen entsprechen, was z.B. der deutsche PLM-Hersteller CONTACT Software im Jahr 2016 umsetzte. Nur dass CONTACT schon zehn Jahre länger erfolgreich am Markt tätig ist – mit einer Eigenkapitalquote von 75 Prozent und Null Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten.

Deutsche Softwarehäuser tun sich traditionell schwerer, ihre internationale Expansion mit fremdem Geld zu finanzieren. Das hängt zum Teil sicher mit der konservativen Grundeinstellung ihrer Inhaber zusammen, aber natürlich auch mit der Enge des deutschen Venture Capital-Markts. Er ist zwar in den letzten Jahren gewachsen, doch der Abstand z.B. zu den USA bleibt gewaltig und wird in absoluten Zahlen eher noch größer. Laut Kroker’s Look@IT stiegen die Risikokapital-Investitionen 2015 allein im Silicon Valley auf 34 Milliarden US-Dollar, während in ganz Deutschland umgerechnet nur 3,9 Milliarden investiert wurden. Und diese Zahl ist 2016 drastisch zurückgegangen, wie die Venture Capital Bilanz 2016 von KPGM zeigt:

In Europa ging die Zahl der Deals um fast ein Drittel zurück, von 4.378 (2015) auf 3.142 (2016). Das dabei investierte Volumen sank von 18 Milliarden auf 15,7 Milliarden Dollar. Dabei kommt Deutschland noch vergleichsweise glimpflich davon: hier beträgt der Rückgang mit 345 Deals (nach 407 in 2015) lediglich 15 Prozent; allerdings sank das Investmentvolumen von 3,6 Milliarden auf 1,9 Milliarden Dollar sehr deutlich.

Nun reicht Venture Capital allein nicht aus, um international erfolgreich zu sein. Ebenso wichtig ist eine klare Wachstumsstrategie, die man bei deutschen Softwarehäuser manchmal vermisst. Sie sind oft viel zu lange auf den heimischen Markt fokussiert, bevor sie erste, vorsichtige Schritte in Richtung Internationalisierung unternehmen. In aller Regel nutzen sie dafür lokale Vertriebspartner, um das Risiko zu minimieren, was kein schlechter Anfang ist. Ihm müssen für ein nachhaltiges globales Wachstum aber irgendwann weitere Schritte folgen: Eine direkte Präsenz auf den Auslandsmärkten ist auf Dauer unerlässlich, und sei es auch nur, um die Vertriebspartner zu koordinieren und technisch und logistisch zu unterstützen.

Das Beispiel Aras ist insofern ganz aufschlussreich: Obwohl das Geschäftsmodell des Unternehmens es den Kunden grundsätzlich ermöglicht, die PLM-Software kostenlos herunter zu laden und zu nutzen, unterhält das Unternehmen ein ausgedehntes Partnernetz für Systemintegration, Support, Schulungen etc., aber auch eigene Niederlassungen, die mit Dienstleistungen ganz offensichtlich Geld verdienen. Sonst würden namhafte Venture Capital-Geber kein Geld in das Geschäftsmodell investieren. Das jedenfalls schließe ich aus den Worten von Martin Fichtner, Managing Director von Silver Lake Kraftwerk:

Wir investieren in Breakout-Unternehmen, die die Transformation der Industrie mittels technologischer Innovationen und disruptiver Geschäftsmodelle vorantreiben. Aras verkörpert diese Strategie dank einer revolutionären Plattform und dem ‘SaaS-Anywhere’-Ansatz.

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