Michael Wendenburg Online Redaktion

Viele Unternehmen fühlen sich nicht reif für das IoT

Das Internet of Things (IoT) ist in aller Munde, natürlich auch in derer der Marktanalysten. In einem seiner letzten Beiträge auf Beyond PLM berichtet Oleg Shilovitsky über verschiedene Markterhebungen, die ein wachsendes Interesse an IoT sowohl seitens der PLM-Hersteller, als auch seitens der PLM-Anwender konstatieren. Viele Unternehmen fühlen sich jedoch auf die Herausforderungen nicht gut vorbereitet.

Autodesk_Taxal_Marktstudie

Ich glaube, es gibt eine klare Korrelation zwischen der Anzahl der Marktanalysten und -studien, die sich mit einem bestimmten Trend-Thema beschäftigen, um dem Verlauf des Hype-Zyklus. Shilovitsky verortet das IoT just auf dem Höhepunkt dieses Zyklus und kommt zu der Schlussfolgerung:
IoT promise is huge. Some PLM vendors have invested tons of money into IoT product and platform development. […]Customers are excited about potential “connected” technologies can bring. At the same time I wonder how many of customers have a material agenda how to make connected technologies work in the context of PLM products. In other words, how the IoT technologies can improve design, engineering and manufacturing decisions. And more importantly, what will happen with all PLM IoT development when the hype cycle will move from a peak of inflated expectations to the through of disillusionment.

Interessanter als die Frage, wie die PLM-Hersteller mit der Herausforderung des IoT umgehen, finde ich jedoch die Anwendersicht. Einer von Autodesk und Taxal durchgeführten Befragung von Führungskräften aus 280 Unternehmen verschiedener Branchen und Länder zufolge, über die IoT Business News berichtet, gaben mehr als die Hälfte von ihnen an, konkrete IoT-Projekte zu realisieren und bereits Produkte in den Markt eingeführt zu haben bzw. binnen der nächsten 12 Monate einführen zu wollen. 58% der Befragten versprechen sich davon einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Mitbewerbern und 52% gehen davon aus, dass das IoT ihnen helfen wird, neue Services zu entwickeln.

Aber nun kommt die Kehrseite der Medaille: Nur 30% der Unternehmen fühlen sich für das, was auf sie zukommt, vorbereitet und befähigt. Dafür gibt es verschiedene Gründe; die wichtigsten sind die Notwendigkeit, in Infrastruktur und neue Technologien zu investieren und die neuen Skills für das IoT-Zeitalter zu entwickeln bzw. Mitarbeiter mit diesen Skills zu rekrutieren. Offensichtlich kommen die Unternehmen dabei nicht sehr schnell voran: Nur 38% gaben an das Gefühl zu haben, Fortschritte zu machen.

Dass die Unternehmen auf IoT nicht gut vorbereitet sind und dass ihnen die Mitarbeiter mit den entsprechenden Qualifikationen fehlen, ist nicht gerade eine neue Erkenntnis. Das haben neue Trends nun mal so an sich, dass sie den einen oder andern auf dem falschen Fuß erwischen. Meine Schlussfolgerung lautet deshalb: Wir brauchen weniger Marktanalysten, die den Trend beobachten, und mehr Berater, die den Unternehmen dabei helfen, fit für das IoT-Zeitalter zu werden. Aber wahrscheinlich müssen auch die erst mal geschult werden, und wenn sie damit fertig sind, stecken wir im Hype-Zyklus schon wieder im Kurvenabschnitt der Ernüchterung.

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