Michael Wendenburg Online Redaktion

Spiel mir das Lied vom IoT-Tod

In den Weihnachtsferien habe ich einen ganz interessanten Beitrag auf Beyond PLM gelesen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Oleg Shilovitsky empfiehlt den PLM-Herstellern, nicht zu stark auf das Internet of Things zu setzen, weil das Thema nicht mehr “in” sei. Es mehren sich die Stimmen, die den (terminologischen) Tod des IoT vorhersagen.

Ähnlich wie Industrie 4.0 hat sich IoT in den letzten Jahren zu einem Hype-Thema entwickelt, das in keiner Veröffentlichung fehlen darf. Einige PLM-Hersteller setzen sehr stark auf diese Karte und laufen dadurch Gefahr, vom Gipfel der IoT-Euphorie in das Tal der Ernüchterung zu stürzen. Das IoT habe inzwischen den Höhepunkt der Hype Cycle-Kurve von Gartner erreicht, meint Shilivitsky, und es sei fraglich, ob die PLM-Hersteller jemals einen Weg finden werden, ihre Investitionen in klingende Münze zu verwandeln.

Dem IoT deshalb gleich das Totenglöckchen zu läuten, scheint mir allerdings übertrieben. Eigentlich geht es bei dem Abgesang aber gar nicht um das IoT, sondern nur um den abgenutzten Begriff, wie der Beitrag Here's What Happens to Tech in 2017… auf WIRED deutlich macht.. Folgende Passage fand ich besonders interessant:

The Internet of Things—or whatever you want to call it—has the potential to save precious resources, spot and fight pollution, and help people lead healthier, safer lives. But adding internet remote control to every single product on the market won’t necessarily help us get there. What we need are thoughtful, affordable, durable devices that actually, y’know, make our lives better. A new name, and a renewed sense of purpose, could be just what the Internet of Things needs.

Die intelligente Vernetzung von Geräten über das Internet wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen, wenn auch sicher nicht so rasant wie prognostiziert, weil inzwischen auch die Sicherheitsprobleme offensichtlicher werden. Viele Marktforscher haben ihre Zahlen inzwischen deutlich nach unten korrigiert, wie ein Beitrag auf Structure Connect zeigt. Vielleicht werden es 2020 deshalb nicht 50 Milliarden vernetzten Geräte sein, sondern nur die Hälfte. Aber auch das wären noch fünfmal mehr Geräte als im Jahr 2015.

Unbestreitbar ist auch, dass die Entwicklung dieser Geräte neue Werkzeuge, Methoden und Prozesse erfordert, die PLM-seitig unterstützt werden müssen. Darauf sollten sich die PLM-Hersteller konzentrieren, statt jetzt noch auf den längst abgefahrenen IoT-Zug aufzuspringen. Sie müssen endlich dem Anspruch gerecht werden, den gesamten Produktlebenszyklus zu unterstützen, und zwar einschließlich des Produktlebens im Markt, so dass die Hersteller dieser Produkte neue Servicemodelle aufsetzen können.

Was dagegen bezweifelt werden darf ist ob PLM-Systeme die Plattformen sein werden, auf denen Sensordaten aus dem Betrieb der Produkte zusammenlaufen und ausgewertet werden. Das mag zwar mit Blick auf den digitalen Zwilling wünschenswert erscheinen, aber ich denke, dass es sinnvoller ist, diese Daten auf spezialisierten Plattformen zu verwalten und mit dem digitalen Produktmodellen nur intelligent zu verlinken. PLM ist eben nicht IoT, aber es ist eine Technologie, die das IoT – oder wie es künftig heißen wird – erst möglich macht.

Weitere Beiträge auf wendenburg.net Seite 1

12.05.2020
Vor längerer Zeit habe ich mal einen Blog-Beitrag darüber geschrieben, warum viele PLM-Migrationen scheitern. Das Thema scheint viele Unternehmen zu beschäftigen, wie ich aus dem Umstand schlussfolgere, dass er nach wie vor zu den meistgelesenen Beiträgen zählt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle... Artikel weiterlesen
04.05.2020
Der Lock-Down in der Corona-Krise hat die Digitalisierung der Kommunikationsprozesse in Unternehmen, aber auch in Ämtern und Behörden, Schulen und im Privatleben beschleunigt. Es ist erstaunlich, was in Deutschland trotz der im vergleichsweise unterentwickelten Netzinfrastruktur alles möglich ist.... Artikel weiterlesen
23.04.2020
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona- bzw. COVID-19-Pandemie werden den globalen PLM-Markt härter und vor allem längerfristiger treffen als ursprünglich erwartet. Das sagte CIMdata Vice President Stan Przyzybilinsky vor ein paar Tagen in einem Webinar. Mitte März waren die Marktanalysten... Artikel weiterlesen
16.11.2019
Digitale Transformation ganz pragmatisch überschriebt mein Blogger-Kollege Ralf Steck seinen Bericht über die ACE Europe 2019. Ich kann ihm da nur zustimmen. Aras schafft das Kunststück, eine klare Vision für die digitale Zukunft und die Weiterentwicklung seiner PLM-Plattform Aras Innovator zu entwickeln,... Artikel weiterlesen
25.10.2019
Die Zukunftstrends bei PLM und Smart Systems Engineering aufzugreifen und die Sicht der Forschung einzubringen, ist das Ziel der PLM-Tagung, die seit elf Jahren vom Lehrstuhl für Virtuelle Produktentwicklung (VPE) der TU Kaiserslautern veranstaltet wird. Im Unterschied zum Lehrstuhl, der in diesem Jahr... Artikel weiterlesen
26.09.2019
Eine ehrliche Auseinandersetzung mit PLM versprach Prof. Vahid Salehi von der Hochschule für Angewandt Wissenschaften München bei der Eröffnung des diesjährigen Munich PLM Symposiums. Ganz konnte die Veranstaltung, die vor zwei Wochen an der Hochschule stattfand, diesem Anspruch nicht gerecht werden.... Artikel weiterlesen
10.07.2019
Digitalisierung ist ein Dauerthema. Wie schon das letzte Treffen der CONTACT Community vor zwei Jahren stand auch die diesjährige Open World wieder ganz im Zeichen der digitalen Transformation. Der PLM- und IoT-Hersteller unterstrich seine Innovationskraft mit einer Fülle von Neuheiten und Erweiterungen... Artikel weiterlesen
19.06.2019
Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, die diesjährige PTC LiveWorx in Boston zu besuchen. Eine gute Zusammenfassung der wichtigsten Keynotes finden Sie auf Engineering.com. Mit mehr als 6.500 Teilnehmern war die Veranstaltung vollständig ausgebucht. Ob sich der Besuch für sie gelohnt hat, ist schwer... Artikel weiterlesen