Michael Wendenburg Online Redaktion

PROSTEP wirft einen Blick in die Zukunft von PLM

Vor ein paar Tagen besuchte ich die Feier zum 25. Geburtstag der PROSTEP AG, die Mitarbeiter und Freunde des Unternehmens nicht nur zum Feiern in die Darmstädter Centralstation eingeladen hatte. Hochkarätige Referenten aus Forschung und Industrie, darunter Vertreter von BMW, Bosch, Daimler und Schaeffler, erläuterten den Gästen im ehemaligen Elektrizitätswerk der Stadt, wie sie Digitalisierung und digitaler Transformation angehen. Das PLM-Beratungs- und Softwarehaus selbst sieht sich für die Reise in die digitale Zukunft gut gewappnet.

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PLM ist immer noch oder besser wieder in. Das war gewissermaßen die Kernbotschaft der PROSTEP-Veranstaltung. Die Vision eines umfassenden Product Lifecycle Managements ist eigentlich erst durch die heute verfügbaren Technologien für die intelligente Vernetzung von Produkten und Systemen, die Verarbeitung riesiger Datenmengen und den Einsatz von digitalen Zwillingen zur Absicherung und kontinuierlichen Optimierung der Produkte / Systeme möglich geworden. IoT-Plattformen, auf denen die Sensordaten aus dem Feld zusammenlaufen und ausgewertet werden, sind damit zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer zukunftsfähigen PLM-Architektur geworden.

PROSTEP beschäftigt sich intensiv mit Zukunftsthemen wie Internet of Things (IoT), Cloud, Blockchain und Künstliche Intelligenz (KI), wie Dr. Martin Holland, Leiter Business Development des Unternehmens betonte und an verschiedenen Projekten deutlich machte. Unter anderem will sich das Unternehmen an einem KI-Projekt zur Absicherung von völlig autonom fahrenden Fahrzeugen (Level 5) beteiligen. Holland stellt außerdem das 1:1-Modell eines Mars Rovers vor, den die Firma zusammen mit Werksstudenten nachgebaut hat, um anhand des Mission Control Centers Themen wie die IoT-Anbindung oder die Verknüpfung von Digital Twin und VR-Technologie zu testen.

Die Gewinner des von PROSTEP gesponserten Faunhofer Blockchain Hackathons präsentierten ihre Blockchain-basierte Fair Pay-Lösung, die es ermöglicht, eine Tasse Kaffee mit der Krypto-Währung Ether fälschungssicher zu bezahlen und das Geld dabei nach einem bestimmten Schlüssel aufzuteilen. Ob die Technologie allerdings für das Engineering interessant werden könnte, sei dahin gestellt. Sowohl Dr. Siegmar Haasis, CIO R&D Cars bei Daimler, als auch Dirk Spindler, Leiter R&D Processes Methods and Tools bei Schaeffler, äußerten in ihren Vorträgen eine gewisse Skepsis, was mögliche Anwendungsfälle anbelangt.

Dialog

Viele der aktuellen Herausforderungen wie die mangelnde Interoperabilität der Software-Systeme oder die zunehmende Komplexität werden uns auch in Zukunft beschäftigen, wie Prof. Dr. Oliver Riedel, Leiter des Instituts für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Uni Stuttgart und Mitglied im Direktorium des Fraunhofer IAO, in seinem Vortrag über PLM 2040 and Beyond deutlich machte. Die Unternehmen müssten darauf individuelle Antworten durch das Freischneiden von bestimmten Services und die Entwicklung domänenspezifischer Lösungen finden. Basis für die Interoperabilität bleibe der Code of PLM Opennness (CPO), sagte Riedel, aber nicht mehr im Sinne einer linearen Datenversorgung, sondern für die Rückkopplung der echten Daten, d.h. die Verknüpfung von digitalem Zwilling und digitalem Schatten. Der Aufbau dieses Zwillings sei sehr aufwändig, insbesondere wenn man ihn für die Simulation nutzen wolle.

Der Digital Twin ist gewissermaßen die Königsdisziplin der digitalen Transformation im Fahrzeugentwicklungsprozess, wie Haasis sich ausdrückte. Wobei Daimler dabei nicht nur an den digitalen Zwilling des ausgelieferten Fahrzeugs denkt, sondern auch an das digitale Frontloading im Entwicklungsprozess, mit dem Ziel, die Fahrfunktionen frühzeitiger abzusichern und die Fahrzeuge schneller auf die Straße zu bringen: Das Rennen um das autonome Fahren gewinnt man nicht auf der Straße, sondern im Rechenzentrum, sagte Haasis. Daimler befinde sich im Umbruch, was die Arbeitsweise, Methoden und Geschäftsmodelle anbelangt, führte Haasis weiter aus, der deshalb von digitaler Transformation statt von Digitalisierung sprach. Connected, Autonomous, Shared Services und Electric (CASE) sind die vier Treiber dieser Transformation, die aber durch das Kerngeschäft finanziert werden müsste.

Die digitale Transformation schafft man nicht allein, sondern nur in einem Ökosystem von Partnern, wie Jochen Breh, tätig im Bereich Governance IT Architecture bei Bosch in seinem Vortrag betonte. Diese Ökosysteme könnten aber nur funktionieren, wenn alle Beteiligten einen Vorteil davon hätten. Ihre technologische Basis seien IoT-Plattformen und insbesondere die Business Plattformen, auf denen die Lösungen entstünden. Breh geht davon aus, dass es in Zukunft mehrere Plattformen geben wird, die miteinander verbunden werden müssen, und unterstrich die Bedeutung von OpenSource, Microservices und eigenen Software-Entwicklern für den Aufbau einer leistungsfähigen Plattform.

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Hundertprozentige Agilität sei der Schlüssel, um flexibel auf die disruptiven Veränderungen der Digitalisierung reagieren zu können, betonte Ralf Waltram, Leiter IT Delivery bei der BMW Group. Seinen Vortrag hört man nicht zum ersten Mal, was deutlich macht, dass die Implementierung agiler Methoden in einer großen IT-Organisation wohl kein Sprint, sondern eher Marathonlauf ist. BMW hat inzwischen sowohl bei der Entwicklung eigener Software-Lösungen, als auch im SAP-Umfeld und in Zusammenarbeit mit einem großen PLM-Hersteller eine Reihe von erfolgreichen Leuchtturmprojekten realisiert und will die agile Vorgehensweise jetzt in die Breite tragen. Wobei der Ausdruck Projekt eigentlich nicht mehr zutrifft, weil die IT-Organisation inzwischen in produktorientierten DevOps operiert, die sowohl für die Entwicklung, als auch den Betrieb der Lösungen verantwortlich sind.

Sowohl Waltram, als auch Haasis unterstrichen in ihren Vorträgen die Bedeutung einer offenen PLM-Architektur mit einfach zu bedienenden Werkzeugen. Daimler will ein SOA-basiertes Daten-Layer nutzen, um den Zugriff auf die bestehenden Systeme über Cockpits sicherzustellen. In eine ähnliche Richtung gehen die Überlegungen bei der Schaeffler Group, die neben Systemkomponenten für Motor, Getriebe und Fahrwerk Wälz- und Gleitlager für industrielle Anwendungen herstellt. Schaeffler hat Aras Innovator als übergreifendes PLM-Backbone implementiert und entwickelt zurzeit verschiedene Cockpits, um den Anwendern immer nur die Funktionen und Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Der Arbeitsplatz der Zukunft habe Einfluss auf die Systeme, aber auch auf die Organisationsstruktur, in der die Linienorganisation an Bedeutung verliere, sagte Spindler.

Schaeffler ist übrigens der Industriesponsor des nächsten prostep ivip Symposiums, das unter dem Motto Collaboration in the Age of Smart Products and Services steht. Es findet am 9. und 10. April 2019 im ICS Stuttgart statt und beginnt mit einer lockeren Vorabendveranstaltung, die ganz im Zeichen des Networkings steht. Ich werde Sie an dieser Stelle über die Veranstaltung informieren.

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