Michael Wendenburg Online Redaktion

prostep ivip-Verein öffnet sich für neue Themen und Anwendergruppen

Boosting Digital Realities in Engineering und Manufacturing lautet das Motto des diesjährigen prostep ivip Symposiums, das am 18. und 19. April im MOC Veranstaltungscenter in München stattfinden wird. Die Denkanstöße des im letzten Jahr ins Leben gerufenen Querdenkerclubs schlagen sich in der Agenda der Veranstaltung noch nicht voll nieder, beeinflussen aber heute schon die Vereinsarbeit, wie Alain Pfouga, der neue Geschäftsführer des prostep ivip Vereins im Gespräch sagte. Wesentliche Merkmale sind neben der Öffnung für neue Themen die Integration neuer Partner in die Arbeitsgruppen und eine offenere Kommunikation der Forschungsergebnisse.

OfeneTür

Gestatten sie mir zunächst einen kleinen philosophischen Exkurs: Digitale Realitäten sind eigentlich ein Widerspruch in sich – sie auch noch steigern zu wollen mündet in der Hyperrealität, die sich nach dem französischen Philosophen Jean Baudrillard dadurch auszeichnet, dass sich die Simulation der Realität in der medialen Welt immer mehr von der wirklichen Welt entfernt. Genau das ist aber eigentlich nicht das Ziel der Digitalisierung. Es geht vielmehr darum, die Realität in Entwicklung und Fertigung mit Hilfe von Digital Twins möglichst genau abzubilden, um präzisere Aussagen über das reale Verhalten von Produkten und Produktionssysteme machen zu können. Insofern ist das Motto des diesjährigen Symposiums ein Sophismus – ein scheinbar logisches Argument, das einen Fehlschluss beinhaltet.

Das sophistische Motto macht aber zumindest eines deutlich: Die Digitalisierung von Produktionsplanung und Fertigung steht inzwischen gleichberechtigt neben der Digitalisierung der Engineering-Prozesse – eine Öffnung, die schon vor zwei, drei Jahren eingeleitet wurde. Neben Manufacturing-Themen werden nicht mehr ganz neue Themenschwerpunkte wie Internet oft Things (IoT), digitale Transformation, Systems Engineering und Digital Twin wieder die Agenda beherrschen. Und natürlich das Thema Standardisierung, mit dem Verein und Symposium groß geworden sind. Aufgrund der gezielten Ansprache von IT-Experten aus dem Fertigungsbereich erwartet der Verein in diesem Jahr mehr als 700 Fach- und Führungskräften aus unterschiedlichen Branchen der Fertigungsindustrie, aus Wissenschaft und Forschung sowie der IT.

Industriesponsor des diesjährigen Symposiums ist der Bayerische Automobilbauer BMW, der vor kurzem eine Richtungsentscheidung hinsichtlich der künftigen PLM-Bebauung getroffen hat. Hoffentlich erfahren wir in der BMW-Keynote ein bisschen mehr über die Hintergründe und die Frage wie die Entscheidung die künftige PLM-Strategie des Unternehmens beeinflusst. Ich bin aber vor allem gespannt auf die Keynote von Karl-Heinz Land über digitalen Darwinismus und Dematerialisierung, die sich mit der Neuverteilung der Welt im Zeitalter der Digitalisierung beschäftigen wird. Land will den Teilnehmern zeigen, wie sie den neuen Playern mit innovativen Geschäftsmodellen offensiv begegnen können.

Der prostep ivip Verein wird auf dem diesjährigen Symposium seinen 25. Geburtstag feiern. Eine Erfolgsgeschichte, die für den Vereinsvorstand aber kein Anlass ist, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Deshalb hat er letztes Jahr einen Querdenkerclub ins Leben gerufen, der neue Ideen für die Organisation der Vereinsarbeit und auch für die Gestaltung des Symposiums erarbeiten soll, um den Herausforderungen der Digitalisierung besser gerecht zu werden.

Eine der Zielsetzungen bei der Gründung des Querdenkerclubs war es zu überlegen, wie der Verein sich verjüngen und mehr junge Menschen für die neuen Themen mobilisieren kann. Wie und mit welchen Mittel wir künftig kommunizieren ist eines der Themen, die der Querdenkerclub bei seinem ersten Workshop intensiv diskutiert hat. Wir müssen lernen, mit neuen Zielgruppen zu kommunizieren und die Darstellung des Vereins verbessern, sagt Pfouga. Wir haben uns auch gefragt, wer eigentlich unsere Kunden sind und welchen Mehrwert wir ihnen bieten können. Wir sind heute sehr stark auf der operativen Ebene unterwegs und müssen uns fragen, mit welchen Themen wir auf das Top-Management zugehen und welche neuen Impulse wir aus der Forschung erhalten können.

Pfouga

Beim ersten Treffen sammelten die Querdenker neue Fachthemen, die in einem nächsten Treffen priorisiert und dann auf dem diesjährigen Symposium präsentiert werden sollen. Dazu gehört die Durchgängigkeit der Informationsflüsse zwischen Engineering und Produktion, aber auch die Frage, wie die Arbeit und die Arbeitsplätze der Zukunft im Engineering- und Produktionsumfeld aussehen werden und welche Auswirkungen das Thema Künstliche Intelligenz auf den Menschen haben wird. Das Thema Cloud PLM soll in Zukunft ebenfalls eine größere Aufmerksamkeit erfahren, auch wenn das in der diesjährigen Agenda trotz seiner Brandaktualität noch keinen Niederschlag gefunden hat.

Die Querdenker beschäftigten sich zunächst vor allem mit der Frage, wie die Vereinsarbeit künftig agiler gestaltet werden soll. Es gibt da draußen kleine Firmen, die ihre Produkte in einer offenen Community als OpenSource-Projekt entwickeln. Wir wollen ähnliche Konzepte wie das Crowd Sourcing für unsere Arbeit nutzen, um über den engen Kreis der Mitglieder hinaus neue Akteure einzubinden, sagt Pfouga. Gleichzeitig will der Verein insbesondere mit Blick auf die wachsende Bedeutung des Manufacturing zusätzliche Partner wie die großen MES-Hersteller als neue Mitglieder gewinnen, aber auch andere Verbände wie VDMA oder ZVEI und deren Mitglieder.

Mit Blick auf die Zukunft will sich der Verein stärker öffnen für neue Themen rund um die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, für neue Branchen und Anwendergruppen aus anderen Disziplinen sowie für Mitglieder aus dem Ausland. Außerdem soll die Kommunikationspolitik offener und offensiver werden, wie Pfouga sagt: Derzeit stellen wir die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen und Anwendungsprojekten nur Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung. Wir könnten aber die Impulse von externen Projektpartnern, die nicht unbedingt Vereinsmitglied sein müssen, besser integrieren, wenn wir auch die Arbeitsergebnisse öffentlich zugänglich machen.

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