Michael Wendenburg Online Redaktion

Weichenstellung: BMW entscheidet sich für PLM-Lösung von PTC

Jahrelang rangen IT und Fachbereiche bei BMW um die geeignete Nachfolge für das Legacy-System TAIS, das die Drehscheibe zwischen Entwicklung und Produktion bildet. Jetzt scheint die Entscheidung gefallen zu sein: PTC verkündete vor ein paar Tagen offiziell, dass sich die BMW Group für PTC Windchill als PLM-Lösung zur Verwaltung von Produktions- und Fertigungsstückliste entschieden habe. Ein großes Ding, wie ein guter Kenner der Situation bei BMW kommentierte, denn es bedeute eine wichtige Weichenstellung für die künftige IT-Bebauung. Kein Wunder, dass sich PTC-CEO Jim Heppelmann freut.

Weiche

TAIS ist bei BMW das zentrale System für die Verwaltung von Sachnummern und dazu gehörigen Attributen wie Gewicht, Material, Freigabestatus etc. sämtlicher Materialien. An das System sind über das PDM-System PRISMA und SAP einerseits die Engineering-Prozesse angebunden, andererseits aber auch die Systeme zur Unterstützung von Produktion, Logistik und Aftersales. Ohne die Host-basierte Lösung, die seit Jahren abgelöst werden soll, würde bei den Bayrischen Automobilbauern schnell die Produktion still stehen.

Wenn ich die Pressemitteilung richtig interpretiere, hat BMW nun die Entscheidung oder zumindest eine Vorentscheidung über das Nachfolgesystem getroffen. Windchill wird laut PTC zum digitalen Backbone der weltweiten Fahrzeugproduktion und soll BMW dabei helfen, einen schlankeren und effizienteren globalen Produktionsplanungsprozess zu etablieren. Die PLM-Lösung erlaubt es, Fahrzeugdaten global zu konfigurieren und für die Produktion freizugeben, und übernimmt damit eine der Kernaufgaben von TAIS. Die BMW Group wird die Windchill-Funktionalitäten zur Konfiguration großer und komplexer Fahrzeugstrukturdaten einsetzen, um weltweit Fahrzeuge zu produzieren und dabei gleichzeitig größtmögliche Flexibilität und Qualität zu gewährleisten, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Um den Zugriff auf die Produktdaten zu vereinfachen und zu beschleunigen, wird BMW außerdem die rollenbasierte Lösung Thingworx Navigate von PTC einsetzen. Die Software unterstützt die parallele Produktionsplanung und verkürzt so den Produktentwicklungszyklus und die Gesamtzeit bis zur Markteinführung. BMW will beide Lösungen im Subskriptionsmodell nutzen. Ab wann sie produktiv im Einsatz sein werden, wurde nicht erwähnt.

Wie sich die Entscheidung zugunsten von Windchill als Bindeglied zwischen Entwicklung und Produktion auf den Umbau der gesamten PLM-Landschaft im Engineering auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Auch PRISMA soll eigentlich schon seit längerem abgelöst werden – die Entscheidung wurde aber immer wieder aufgeschoben. Die Wahl von Windchill ist auf jeden Fall eine Richtungsentscheidung, meinte der erwähnte BMW-Kenner, der sich von der Entscheidung überrascht zeigte: Ich hätte nie geglaubt, dass Windchill da eine Chance hätte, sondern eher auf SAP gesetzt, das im Materialeinkauf das Heft fest in der Hand hält.

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