Michael Wendenburg Online Redaktion

PTC Forum Europe: Viel Neues rund um Simulation und Augmented Reality

Wenn die digitale Transformation eine Reise ist, wie Kathleen Mitford, Executive Vice President Products and Market Strategy, zum Auftakt des PTC Forums Europe sagte, dann hatten die Teilnehmer in diesem Jahr einige Mühe mit der “Reiseplanung”. In sechs parallel laufenden Sessions bot die Veranstaltung eine Fülle interessanter Vorträgen über technische Neuerungen und Kundenreferenzen, so dass man nur einen Bruchteil des umfassenden Informationsangebots mitnehmen konnte. Gerade für Besucher, die noch nicht genau wissen, wo sie mit ihrer digitalen Reise beginnen sollen, wäre eine Entzerrung der Agenda wünschenswert.

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Mit knapp 2.000 Besuchern, darunter auch Vertreter von PTC, Partnern und Ausstellern, war das ICS in Stuttgart fast vollständig ausgebucht; weitere 2.000 Teilnehmer folgten der eintägigen Veranstaltung, die neue Grenzen der Innovation durch die digitale Transformation aufzeigen sollte, im Livestream. Laut IDC würden Unternehmen bis zu 1.000 Milliarden US-Dollar in die digitale Transformation investieren, um innovativer und effizienter zu werden und sich vom Wettbewerb abzuheben, sagte Mitford. Sie forderte die Unternehmen auf, die Herausforderung anzunehmen, um nicht abgehängt zu werden. Schlüssel zur digitalen Transformation seien die Daten, deren Potential die Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette vom Engineering bis zum Service erschließen müssten.

Simulation treibt die Konstruktion
Daten sind besonders kritisch für die Simulation, die immer noch durch nicht mit der Entwicklung verknüpfte Prozesse gekennzeichnet ist, wie Mitford weiter ausführte. Um die Vision von der simulationsgetriebenen Konstruktion zu verwirklichen, ist PTC eine strategische Partnerschaft mit dem Simulationsspezialisten ANSYS eingegangen, die erste Früchte trägt. Ende dieses Jahres soll eine Vorabversion der vollständig in die CAD-Software Creo und den Konstruktionsprozess eingebetteten Simulationslösung Creo Simulation Live verfügbar sein, die laut Brian Thompson, Senior Vice President CAD, ein Game Changer sein wird. Die Anwender können damit in Echtzeit strukturelle, thermische und Modal-Analysen an Creo-Modellen durchführen, ohne vorher die Geometrie vereinfachen, vernetzen und an einen externen Solver übergeben zu müssen. Die neue Technologie, die zunächst in Creo 5 und später dann auch in Creo 4 und 6 zur Verfügung stehen wird, soll nach und nach um nicht-lineare Berechnungsarten ergänzt werden und in zwei bis drei Jahren die bestehende Creo Simulate-Lösung für anspruchsvollere Berechnungen vollständig ersetzen.

Mit der wenige Tage vor der Veranstaltung angekündigten Übernahme der Frustum Inc., die KI-basierte Software für das generative Design entwickelt, geht PTC sogar noch einen Schritt weiter in Richtung simulationsgetriebene Konstruktion. Die Software ermöglicht es, ausgehend von der Definition von Lasten und bestimmten Randbedingungen unter Nutzung von Algorithmen der künstlichen Intelligenz automatisch die optimale Bauteilgeometrie zu berechnen. Interessant ist, dass bei der Auslegung der Geometrie auch unterschiedliche Materialien und Fertigungstechniken berücksichtigt werden. Welche Komponenten der Frustum-Software bis wann in Creo integriert werden soll und wie die mit ihr erzeugte Geometrie mit Creo weiter verarbeitet werden kann, konnte Frustum-CEO Jesse Coors-Blakenship noch nicht sagen. PTC ist aber offensichtlich überzeugt davon, mit Hilfe der KI eine Wiedergeburt der CAD-Technologie einleiten zu können. Sonst hätte das Unternehmen sicher nicht die stolze Summe von 70 Millionen US-Dollar in das 15-Mann-Unternehmen investiert, das 2014 in Boulder, Colorado gegründet wurde.

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Mehr Effizienz durch Augmented Reality
Breiten Raum nahm auf dem diesjährigen PTC Forum Europe die Augmented Reality (AR) ein, die nach Einschätzung von PTC eine Schlüsseltechnologie ist, um die Mitarbeiter für die neuen Aufgaben im Rahmen der digitalen Transformation weiterzubilden. Nach Worten von Mike Campbell, dem für die Business Unit AR zuständigen Executive Vice President, macht PTC große Fortschritte bei der industriellen Anwendung. AR ermögliche es, dem wachsenden Facharbeitermangel zu begegnen und die immer komplexeren Arbeitsumgebungen besser zu beherrschen.

PTC sieht den größten Bedarf für AR in den Bereichen Fertigung und Service, wo Effizienzsteigerungen von 60 Prozent und mehr möglich sind. Campbell nannte als Beispiel die Firma BAE Systems, die Hybrid-Antriebe für Busse, Schiffe und Militärfahrzeuge herstellt. Mit Hilfe von AR-Arbeitsanweisungen und MS HoloLenses konnte sie die Einarbeitung neuer Werker deutlich beschleunigen und die Montagezeiten halbieren. AR bietet außerdem die Möglichkeit, die Kundenerwartungen durch neue Services besser zu erfüllen. Ein Beispiel ist die Firma Howden, die ihre Produkte mit Vuforia Studio aufbereitet und in der Microsoft Azure Cloud bereitstellt, so dass die Servicetechniker der Kunden sie entsprechenden Endgeräten visualisieren können.

Maria Wilson, Global Leader Data Driven Advantage bei Howden, erläuterte den Teilnehmern in ihrer brillanten Keynote zum Abschluss der Veranstaltung, wie der traditionsreiche Hersteller von Turbinen und Kompressoren für das Handling von Öl, Gas und Wasser die Herausforderung der digitalen Transformation bewältigt: Indem man die Mitarbeiter nicht mit dem Begriff Transformation verunsichert, sondern über die Evolution des Serviceangebots für die Kunden spricht. Eine zentrale Rolle spielt dabei der digitale Zwilling, der allerdings für die Analyse möglicher Ausfälle nicht mit historischen Daten gefüttert werden kann, weil die nicht ausreichend zuverlässig sind. Deshalb bettet man die Designdaten in die digitalen Profile ein, um mögliche Abweichungen vom Sollzustand frühzeitig zu erkennen. AR ist laut Wilson eine Spielart des Digital Twins, um die Daten aus ThingWorx Analytics einfacher an den Kunden zu bringen.

AR bietet aber auch in anderen Anwendungsbereichen spannende neue Möglichkeiten, wie ein Blick in das Reality Lab von PTC zeigt. Dort arbeiten die Forscher unter anderem an der visuellen Programmierung von smart vernetzten Anlagen mit Hilfe der AR. Dr. Valentin Heun, Leiter des Labs, beeindruckte die Teilnehmer mit einer Demostration, bei der er den Ein-/Ausschalter eines smart vernetzten Förderbands mitsamt der Logik einfach per Drag & Drop von seinem Handy auf das Display der Maschine verschob, so dass er dort direkt verwendet werden konnte.

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IoT-Partnerschaft mit Microsoft Azure
PTC hat sich in den letzten Jahren sehr stark auf das Thema Internet of Things (IoT) konzentriert und es geschafft, als einer der führenden Anbieter von IoT-Plattformen für die Fertigungsindustrie anerkannt zu werden. Inzwischen allerdings scheint der PLM-Hersteller erkannt zu haben, dass er sich im breiten IoT-Markt schwerlich allein gegen die großen Plattform-Betreiber wie Amazon oder Microsoft wird durchsetzen können. Nach dem Motto, wenn Du den Feind nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihm, ist das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Microsoft eingegangen und nutzt künftig Microsoft Azure als bevorzugte Cloud- und IoT-Plattform. ThingWorx übernimmt in dieser Konstellation die Rolle einer Industrial IoT-Plattform, z.B. für den Betrieb der gemeinsam mit Rockwell entwickelte Smart Factory-Anwendungen. Die Integration mit MS Azure und der FactoryTalk Suite von Rockwell wird allerdings noch einige Monate dauern.

Wenig Konkretes gibt es über die Weiterentwicklung von PTCs PLM-Plattform Windchill zu berichten, außer dass sich die Kunden ab Version 12 selbst um den Java-Support durch Oracle kümmern müssen. Strategisch geht es neben der Modernisierung des Software-Kerns vor allem darum, die Cloud-Fähigkeit und Konnektivität der PLM-Lösung weiter zu verbessern. Neue PLM-Kunden gehen laut PTC fast alle in die Cloud, aber auch bei Bestandskunden scheint das Interesse an Cloud-PLM zu wachsen.
Eine der ersten größeren Kunden in Zentraleuropa, der seine Windchill-Installation in die Cloud verlagert, ist die EP-Division von ABB, die Mittel- und Niederspannungsprodukte herstellt. ABB hatte die PLM-Lösung von PTC erst vor wenigen Jahren als globale Plattform zur Unterstützung der verteilten Entwicklung und Fertigung ausgerollt – allerdings zunächst on premise. wie Digital Product Manager Issam Darraj erläuterte. Um die Komplexität der Lösung mit mehr als 200 kundenspezifischen Anpassungen zu reduzieren, ihre Skalierbarkeit zu verbessern und die Kosten für Lizenzen und Wartung zu reduzieren, traf man vor einem Jahr die Entscheidung, in die Cloud zu gehen. Eine Entscheidung, die in der Organisation zunächst auf große Widerstände stieß, die zu überwinden viel Überzeugungsarbeit kostete.

Eine große Herausforderung bei der Cloud-Migration war das globale Test-Management mit 23 Standorten, 500 Use Cases und einem fortwährenden On-Boarding neuer Standorte und PLM-Anwender wie Darraj weiter ausführte. Schwierig war aber auch die Koordination der verschiedenen Stakeholder, die in die PLM-Migration involviert waren. Laut Elmar Schaab, Global PLM Program Manager bei ABB, hat sich der Aufwand jedoch gelohnt: ABB spart in der Cloud rund 30 Prozent der Kosten für Wartung und Aktualisierung der PLM-Installation, so dass sich die Investition nach 1,4 Jahren amortisiert. Schaab räumte allerdings ein, dass die Konditionen für ABB als Pilotkunde besonders günstig waren, so dass sich die Kosteneinsparungen nicht ohne weiteres verallgemeinern lassen.

Wer Interesse hat, in die verschiedenen Keyotes und Vorträge reinzuhören, kann das nach vorheriger Registrierung auf der PTC Forum Europe Virtual Platform tun.

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