Alle Jahre wieder klingeln die Ohren

In ein paar Tagen öffnet in Frankfurt die EuroMold ihre Pforten, die „Weltmesse“ für Werkzeug- und Formenbau, Design und Produktentwicklung. Während die CAD-Anbieter in die neue Halle 11 umgezogen sind, geben sich die CAM-Anbieter wieder in der Halle 8.0 ein Stelldichein – also alles wie gehabt? Nein, nicht ganz: Die turntec heißt jetzt turn&milltec und wurde ebenfalls in Halle 8.0 untergebracht, was thematisch nahe liegt, aber akustisch für alle Beteiligten eine ziemliche Strapaze bedeuten dürfte. Mal sehen oder besser hören, ob die Software-Vorführer es schaffen, das Pfeifen der Hardware zu übertönen.

Eigentlich eine gute Idee, bei der Auswahl einer modernen Dreh/Fräsmaschine gleich nach der geeigneten CAM-Software Ausschau zu halten. Allerdings keine leichte Aufgabe, denn beim Zusammenspiel zwischen CAM-System und Maschine steckt der Teufel im Detail, soll heißen im Postprozessor. Den gibt es leider nicht von der Stange zu kaufen, weil er an die Anforderungen des betreffenden Unternehmens und seine Maschinenkonfiguration angepasst werden muss. Ebenso wichtig wie der Funktionsumfang des CAM-System ist deshalb die Kompetenz des Systemlieferanten oder Implementierungspartners, die man am besten anhand von Kundenreferenzen überprüft. Ein paar finden Sie auf meiner Homepage.

Die Zusammenarbeit mit einem kompetenten Partner wird immer wichtiger, weil in der Fertigung heute eine Vielzahl von Integrationsaufgaben zu bewältigen sind, für die kleinere Unternehmen erfahrungsgemäß keine Ressourcen haben. Die Anbindung der CAM-Lösung an den Maschinenpark ist nur eine davon. Viele Unternehmen setzen beispielsweise ein Werkzeugverwaltungssystem ein, das zweckmäßigerweise an das CAM-System angebunden werden sollte, um mit den realen Werkzeugparametern programmieren zu können, ohne die Werkzeugdaten mehrfach erfassen zu müssen. Das gleiche gilt für die Voreinstellgeräte, mit denen die Werkzeuge vermessen werden, und deren Daten für die automatische Korrektur der Werkzeugbahnen an das CAM-System zurückgemeldet werden sollten.

Auch was die Verwaltung der Fertigungsdaten anbelangt, gibt es noch viel zu tun. Viele Unternehmen setzen zwar schon ein NC-Datenverwaltungssystem an, oft in Kombination mit einem DNC-Modul, mit dem die NC-Programme direkt an der Maschine abgerufen werden können. In der Regel handelt es sich jedoch um eine Insellösung, die nicht mit anderen Unternehmensanwendungen synchronisiert ist, so dass die Mitarbeiter nicht oder viel zu spät über Änderungen informiert werden. Im Sinne einer vollwertigen CAD/CAM-Integration sollten nicht nur die Geometriedaten der Bauteile, sondern auch die Metadaten verknüpft sein, was eine Integration der NC-Datenverwaltung in die PDM/PLM-Lösung erfordert.

Eine bessere Fertigungsintegration ist Voraussetzung für durchgängigere Prozesse von der Konstruktion bis an die Maschine. Das Thema Automation beschäftigt längst nicht mehr nur Fertigungsbetriebe, sondern ist inzwischen auch im Werkzeug- und Formenbau angekommen. In Halle 8.0 der EuroMold wird es in diesem Jahr als „Weltneuheit“ (die Veranstalter lieben einfach die Superlative) eine Sonderschau geben, die Optimierungsmöglichkeiten im Zusammenwirken von Konstruktion und Werkstatt aufzeigt. Es gibt also viel zu sehen und sicher noch mehr zu hören. Packen Sie sicherheitshalber den Ohrenschutz ins Messegepäck.

Aktueller Termin

Treffen Sie mich am17. oder 18. Juni 2011 in Barcelona

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